CHRISTIAN FABER
"Ich hasse den Tod wie den Teufel" – Otto Bauer gegen die ästhetische Vorherrschaft des Todes in der Apokalypse
Der Beitrag analysiert die konstitutive Verbindung von Tod und Apokalyptik in religiösen und säkularen Endzeitnarrativen und positioniert die apokalyptische Theologie des kleinen Otto Bauer (1897–1986) als Korrektiv gegenüber der destruktiven Dominanz dieser Imaginationen. Ausgehend von der Beobachtung, dass apokalyptische Diskurse durch die Gleichzeitigkeit von Vernichtung und Rettung bestimmt sind, wird gezeigt, dass ihre säkulare Rezeption diese Doppelstruktur partiell suspendiert: Während das heilvolle Telos weitgehend entfällt, bleibt der katastrophische Impetus erhalten und führt so entweder zu einer affirmativen oder hoffnungslosen Position zum Tod. In der religiösen Apokalyptik wird der Tod vor dem Hintergrund verschiedenen Versprechen postmortalen Lohns potenziell zum bloßen Durchgang relativiert. Demgegenüber entwickelt Otto Bauer eine religiöse Haltung, die den Tod, ob natürlich, gewaltsam, individuell oder kollektiv, als heilsgeschichtlich nicht integrierbaren Skandal fasst und damit jede religiöse, politische oder kosmische Sinngebung des Sterbens zurückweist. Seine Konzeption einer sohnhaften Gemeinde rekonstruiert das christlich-apokalyptische Hoffnungsmotiv vom ewigen Leben unter der Prämisse, dass dieses mit jeglicher Versöhnung mit dem Tod unvereinbar bleibt. Indem Bauer die Funktion des Todes als notwendigen Übergang zur Vollendung delegitimiert, eröffnet er die Möglichkeit einer unbedingt lebensbejahenden Eschatologie, die den Tod als letzten, zu überwindenden Feind begreift. Der Beitrag argumentiert, dass eine solche Re-Skandalisierung des Todes eine notwendige Intervention darstellt, um den fatalistischen und affirmativen Positionen zum Tod in der apokalyptischer Imagination sowohl im religiösen als auch im säkularen Feld zu begegnen.