Erklärende Hermeneutik /
Explanatory Hermeneutics
Hintergrund und Ziele
Die Gruppe Erklärende Hermeneutik/Explanatory Hermeneutics tritt dafür ein, die Interpretation literarischer Texte und letztlich die Interpretation generell nach erfahrungswissenschaftlichen Prinzipien zu organisieren. Die drei Initiatoren der Gruppe haben folgendermaßen zusammengefunden: Der Philosoph Axel Bühler sowie der Germanist und Philosoph Peter Tepe, die beide an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf arbeiten, haben nach mehreren gemeinsamen Lehrveranstaltungen zum Thema Hermeneutik zwischen Philosophie und Literaturwissenschaft und nach der Veröffentlichung von Tepes Buch Kognitive Hermeneutik 2008 die Arbeitsgruppe Düsseldorfer Hermeneutik gegründet. Beide vertreten nun zusammen die kognitive Hermeneutik als Forschungsprogramm der geisteswissenschaftlichen Textinterpretation, allerdings mit unterschiedlichen individuellen Akzentsetzungen. Bühlers spezielle Variante lässt sich durch das Stichwort hermeneutischer Intentionalismus kennzeichnen.
Nach Erscheinen des Buches Kognitive Hermeneutik lud der Literaturwissenschaftler und Rezeptionsforscher Willie van Peer, Professor für Interkulturelle Hermeneutik an der Ludwig-Maximilians-Universität München, Tepe zu einem Vortrag nach München ein. Daraus resultierten intensive fachliche Kontakte, in denen sich ein hohes Maß an theoretischer Übereinstimmung zeigte. Im Wintersemester 2008/09 hielt van Peer einen Vortrag zum Thema Können Interpretationen falsch sein? in einem von Bühler und Tepe geleiteten Düsseldorfer Seminar. In diesem Kontext bildete sich dann diejenige Gruppe, für die man sich einige Zeit später – einem Vorschlag van Peers folgend – auf den Namen Erklärende Hermeneutik/Explanatory Hermeneutics einigte. Van Peers individuelle Akzentsetzung im Rahmen der gemeinsamen Grundüberzeugungen kann durch das Stichwort kritisch-rationale Hermeneutik gekennzeichnet werden.
Im Mai 2009 erschien dann das Buch Interpretationskonflikte am Beispiel von E.T.A. Hoffmanns Der Sandmann; dadurch wurde das Vorhaben, ein Manifest der Gruppe zu veröffentlichen und eine internationale Gruppe zu bilden, noch einmal beschleunigt.
Das Manifest
Die Gruppe Erklärende Hermeneutik/Explanatory Hermeneutics setzt sich aus Wissenschaftlern unterschiedlicher Disziplinen zusammen, deren gemeinsames Anliegen eine erfahrungswissenschaftliche Orientierung innerhalb der Hermeneutik ist. Die Literaturwissenschaft befindet sich in einer methodologischen Grundlagenkrise. Diese ist maßgeblich dadurch verursacht, dass nicht zwischen einem kognitiven und einem aneignenden Textzugang unterschieden wird. Die Gruppe schlägt vor, das Erklärungsproblem "Worauf ist die festgestellte Textbeschaffenheit zurückzuführen?" ins Zentrum der literaturwissenschaftlichen Arbeit zu stellen. Beim Rückgriff auf den Autor zu Erklärungszwecken wird dabei der traditionelle Autorintentionalismus durch eine Theorie der textprägenden Instanzen ersetzt. Die Krise der Literaturwissenschaft lässt sich durch den konsequenten Übergang zu einem erfahrungswissenschaftlichen Denkstil überwinden.
